Short Put & Covered Call: Die Grundstrategien im Optionshandel
Wenn du dich mit dem Optionshandel beschäftigst, kommst du an zwei Strategien nicht vorbei: dem Short Put und dem Covered Call. Beide Strategien gehören zur Gruppe der Stillhaltergeschäfte – du kassierst dabei Prämien, ohne aktiv zu kaufen oder zu verkaufen (zumindest am Anfang). In diesem Artikel zeige ich dir, wie beide Strategien funktionieren und was es mit „covered“ vs. „naked““ auf sich hat.
Grundprinzip: Optionen verkaufen = Prämien kassieren
Wenn du eine Option verkaufst (short gehst), verpflichtest du dich gegenüber dem Käufer:
- bei einem Put: Aktien zu kaufen, wenn der Käufer will
- bei einem Call: Aktien zu verkaufen, wenn der Käufer will
Für diese Verpflichtung erhältst du eine Prämie – direkt beim Verkauf der Option. Dein Ziel: Die Option läuft wertlos aus, du behältst die Prämie.
1. Short Put (verkaufter Put)
Ein Short Put verpflichtet dich, 100 Aktien zu einem bestimmten Preis zu kaufen, wenn der Käufer das will.
Das klingt erstmal abschreckend, ist aber eigentlich eine der beliebtesten Strategien unter ruhigen Bedingungen.
„Cash Secured Put“ = Covered Put
Du hast genug Cash im Depot, um die Aktien zu kaufen, wenn du „ausgeübt“ wirst. Daher auch „cash secured“.
Beispiel:
- Du verkaufst einen Put auf Microsoft mit Strike 290 $
- Du bekommst 120 $ Prämie
- Du hast 29.000 $ Cash im Depot (falls du kaufen musst)
- Wenn Microsoft unter 290 $ fällt → du kaufst sie, wie geplant
- Wenn nicht → du behältst einfach die Prämie
Risiko: Du kaufst Aktien evtl. in einer Korrektur
Sicher: Wenn du die Aktie sowieso willst, ist das kein Problem
→ Daher „covered“ durch Cash oder “cash secured” (= abgesichert)
Naked Put
Du verkaufst einen Put, ohne genug Geld im Depot zu haben, um die Aktien zu kaufen, falls du ausgeübt wirst.
→ Dein Broker verlangt Margin
→ Kann zu Zwangsverkäufen oder Nachschusspflicht führen → Totalverlust möglich!
Empfehlung: Für Einsteiger nur „cash secured“ traden – niemals naked.
2. Short Call (verkaufter Call)
Ein Short Call verpflichtet dich, 100 Aktien zu einem bestimmten Preis (Strike) zu verkaufen, wenn der Käufer das will.
Covered Call
Du besitzt die 100 Aktien bereits.
Beispiel:
- Du hältst 100 Apple-Aktien
- Du verkaufst einen Call mit Strike 180 $
- Du bekommst 1,80 $ Prämie pro Aktie = 180 $ brutto
- Wenn Apple unter 180 $ bleibt → du behältst alles
- Wenn Apple über 180 $ steigt → du musst zum Strike verkaufen → aber du machst trotzdem Gewinn
Risiko: Du gibst evtl. Kursgewinne „nach oben“ ab.
Sicher: Weil du die Aktien hast → kein Totalverlust möglich.
→ Daher „covered“ (= abgesichert).
Naked Call
Du besitzt die Aktien nicht, verkaufst aber trotzdem einen Call.
Hochriskant!
Wenn die Aktie stark steigt, musst du sie zum Marktpreis kaufen und zum Strike verkaufen → unbegrenzter Verlust möglich.
Beispiel:
- Du verkaufst einen Call auf Tesla, ohne Aktien zu haben
- Tesla explodiert von 200 $ auf 300 $
- Du musst zum Strike (z. B. 210 $) verkaufen → Verluste enorm
→ Das ist eine Profi-Strategie – nicht für Anfänger empfohlen.
Warum ich Short Puts & Covered Calls trade
Weil ich so mit Aktien, die ich sowieso mag, regelmäßig Prämien kassieren kann. Besonders in ruhigen oder seitwärts laufenden Märkten ist das eine super Möglichkeit, zusätzliche Rendite zu erzeugen.
Ich kombiniere beide Strategien im Wheel-Ansatz, also:
- Short Put → wenn ich ausgeübt werde:
- Covered Call auf die erhaltenen Aktien → und dann von vorn
Fazit
Short Puts und Covered Calls sind zwei super Einstiegsstrategien für den Optionenhandel. Du brauchst keine wilden Spekulationen oder gehebelte Produkte – nur gute Aktien und ein bisschen Geduld.
Wichtig: Immer „covered“ starten – also mit Aktien oder Cash hinterlegt. So minimierst du dein Risiko und verstehst die Dynamik, bevor du dich an komplexere Setups wagst.
